Landbesitz von Ausländern – Panikmache oder berechtigte Sorge?
Sonntag, 30. August 2009 - 17:10 Uhr Fast alle thailändischen Zeitungen berichten in den letzten Tagen darüber, dass mehr und mehr Landflächen s.g. Farrangs – also Ausländern – gehören.
Schlagzeilen wie: „Besitzen Ausländer tatsächlich 90% der Strandgrundstücke Phukets?
” oder „Regierung entdeckt – Ausländer kaufen Farmland” heizen die Stimmung an.
Das Thailand Research Fund (TRF), eine angesehene Agentur für Meinungsumfragen, kramte bei einem Seminar für Jura- und Wirtschaftsstudenten neu aufbereitete Argumente zu einer alten Tatsache zum Zweck der Meinungsbildung hervor.
Darin hieß es, dass Beamte und Anwälte vielen ausländischen Unternehmen – insbesondere aus arabischen Ländern – dabei geholfen hätten, Reisfelder und Grundstücke an den Küstenstreifen zu erwerben, in dem Strohmänner vorgeschoben werden, die für internationale Konsortien Ländereien kaufen. Diese Vorgehensweise ist in Thailand illegal.
Allerdings ist diese Tatsache ist nicht neu und jeder Student in Thailand weiß darüber Bescheid. Wirtschaftsexperten sind der Meinung, dass z.B. 90% der Küstenlinie Phukets in der Hand von thailändischen Strohmännern liegt, die von ausländischen Firmen als Besitzer vorgeschoben werden. Auch Hua Hin, Koh Phangan, Pattaya und Koh Samui zählen zu den beliebtesten Ankaufgebieten von Ausländern.
Auch wurde ein großer Teil dieser Landkäufe durch die Heirat mit einer/einem Thai möglich gemacht. Zwar wollen die Politiker seit langem diese Gesetzeslücke schließen, jedoch blieb es bisher nur bei einer Absichtserklärung, der weiterhin bestehenden Angst vor Überfremdung und Ratlosigkeit gegenüber Alternativen.
In den Augen der Thais sind die Strände zwar ihre Spielwiese beim Sonnenuntergang, aber sonst galten sie als nutzlose Flächen, auf denen nichts wächst. Auf der einen Seite ist es verständlich, wenn der Patriotismus nun neue Formen annimmt, etwa dann, wenn Farmland an ausländische Konzerne verkauft wird, während 80% der Reisbauern hoffnungslos verschuldet sind. Auf der anderen Seite hat sich bisher niemand darüber aufgeregt, wenn Farmland von Thais erworben und in Industrieparks oder Wohnanlagen verwandelt wird. Wäre es also nicht besser, erst einmal wirksame Gesetze zu schaffen, die Farmland ausdrücklich als solches ausweisen und entsprechend schützen, egal vor wessen Zugriff?
Vielleicht könnte man auch im Zuge der Globalisierung mal darüber nachdenken, ob man zum Beispiel mit einer arabischen Firma, die auf Thai-Boden zum Export bestimmten Reis anbaut, nicht joint ventures
oder barter deals
aushandeln sollte. Die Regierung könnte Mindestlöhne für die Arbeiter von betreffenden Auslandsunternehmen festlegen und schon wäre allen Beteiligten gedient.
Eine weitere Überlegung wäre, ob man nicht besser beraten ist, die Lebensumstände der Reisbauern zu verbessern. Wenn ein Farmer nicht nur seine Schulden bezahlen und den Lebensunterhalt bestreiten kann sondern obendrein noch etwas zur Seiten legen könnte, würde das zumindest zu einer ideellen Wertschätzung seiner Erdscholle führen und seine Bereitschaft, das Land zu verkaufen, minimieren. Das ist das simple Prinzip von Angebot und Nachfrage. Hinzukommt, dass nur ein verschwindend kleiner Teil der heranwachsenden Landbevölkerung bereit ist als Farmer zu leben, um sich trotz harter körperlicher Arbeit in Schulden zu verstricken.
Thailand wird aller Wahrscheinlichkeit nach immer genug Agrarprodukte für den Eigenbedarf produzieren können. Das eigentliche Problem scheint aber die Frage zu sein, ob die Nation auch Willens und in der Lage ist neue Wege zu gehen, um die Zukunft zu sichern. In endlosen Zeiten politischer Instabilität allein auf fragile Sektoren wie Tourismus und mit Hilfe von billiger Arbeitskraft produzierten Massenartikeln zu setzen, scheint nicht die geeignete Strategie zu sein, den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.
Quelle: Asien News
vom 24. August 2009
Diesen Beitrag drucken
Tags: Ausländer, Immobilien, Landkauf, Strohmänner, Thailand
