Tsunami-Warnung verschlafen
Mittwoch, 12. August 2009 - 17:57 UhrAlle sechs Andaman Provinzen wissen, wann der nächste Tsunami-Test kommt. Nämlich am Freitag, den 21. August 2009 um 10.45 Uhr. Kurz vor dem fünften Jahrestag ist die Regierung natürlich sehr daran interessiert zu zeigen, wie gut sie nun in Sachen Frühwarnsystem vorbereitet seien.
In Phuket, Phang Nga, Krabi, Ranong, Trang und Satun sollen die Sirenen zu hören sein, auch wenn es in der Vergangenheiten Probleme wegen gestohlenen Kupferkabeln und abgebauten Sirenenverstärkern gegeben hat. Die Rettungs- und Evakuierungsteams sollen zeigen, was sie in den letzten Jahren alles gelernt haben. Eine der wichtigsten Übungen wird allerdings nicht in Khao Lak stattfinden, wo tausende Menschen beim Tsunami 2004 ums Leben kamen, sondern in Patong, Phuket. Denn hier ist die Zahl der Touristen höher und außerdem sind etlichen Medien ansässig, so dass es für die Regierung einfacher ist, sich am bekannten Patong Beach mit ihren Lorbeeren zu schmücken. Khao Lak könnte außerdem auch wieder alte Erinnerungen wach werden lassen, da die damalige Regierung trotz rechtzeitiger Warnung diese nicht weitergeben hatte und somit tausende von Menschen in den Tod geschickt hatte.
Der stellvertretende Ministerpräsident Suthep Tuerksuban wird am 21. August 2009 mit anderen VIPs der Übung in Patong beiwohnen. Da beim Tsunami 2004 mehr als 5400 Ausländer aus 40 Nationen starben, ist das internationale Interesse nach wie vor sehr stark. Außerdem wird es die zweite “Übung” innerhalb eines Monats, denn bereits gestern am 11. August 2009 gab es ein echtes Seebeben, das in den frühen Morgenstunden zu einer außerplanmäßigen und unfreiwilligen Übung geführt hatte.
Allerdings schliefen überall entlang der Küste die Menschen seelenruhig, ohne überhaupt zu wissen, dass es eine Tsunami-Warnung (Level 1) gegeben hatte, geschweige denn, dass die Behörden im Evakuierung-Standby-Modus (Level 2) waren. Zum Glück kam es jedoch nicht zum Level 3, der tatsächlichen Evakuierung der Bevölkerung, denn die Warnung wurde später wieder aufgehoben.
Lediglich die Einwohner von Baan Nam Khem – was übrigens Salzwasser bedeutet – wurden gewarnt und sogar evakuiert.
Maitree Jongkraijak, ein Koordinator der Gemeinde in der Nähe von Takua Pa, sagte, dass er um zwei Minuten nach Mitternacht eine Seebeben-Warnung der Stärke 4,8 per SMS vom National Disaster Monitoring Center (NDMC) erhalten hat. Maitree weckte sofort 60 Freiwillige, unterrichtete sie und setzte sie auf “Standby”. Als er um 05:00 Uhr früh eine zweite SMS-Warnung des NDMC über ein stärkeres Beben bekam, weckten er und die 60 Freiwilligen die 400-köpfige Bevölkerung und brachten sie in die oberen Etagen der Baan Nam Khem School. Zwei Stunden später erhielt Maitree die Entwarnung ebenfalls per SMS und die Bewohner konnten gegen 07:00 Uhr früh wieder zurück in ihre Häuser.
Aber was passiert, wenn keine Warnungen ausgesprochen werden? Ein Antwort darauf könnte die Demonstration eines Warnsystems sein, das am 18. und 19. August im Mövenpick Resort in Karon, Phuket vorgestellt wird. Der Direktor des Katastrophenschutzes (DDPM) will an diesen Tagen zeigen, wie sich Hotels und Resorts auf einen Tsunami vorbereiten bzw. bei einem Tsunami reagieren sollten. Die Kosten für dieses System liegen jedoch außerhalb der finanziellen Möglichkeiten vieler Resorts. Der Direktor des DDPM schlägt daher vor, dass sich mehrere Resorts zusammenschließen und gemeinsam das System erwerben könnten.
Auch soll die Frage der “Angemessenheit” geklärt werden. Er meinte, dass die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Tsunamis wohl eher gering sei, es dennoch aber keine Garantie dafür gäbe. “Aber was ist, wenn es doch passiert? Wer würde die Hotelgäste morgens um 3 Uhr auch wirklich wecken?” fragt er. Deshalb empfiehlt er Gästen, die eine Reise an die Küstenstreifen der Andaman Sea planen, nachzufragen, ob der von ihnen gewählte Ort auch ein Warnsystem hätte und dieses auch in der Nacht funktionieren würde.
Laut Phuket Gazette ist noch immer nicht bekannt, warum es in vielen Küstenregionen sehr lange gedauert hat, bis diese gewarnt wurden (wenn überhaupt) und wie viele Evakuierungen es tatsächlich gegeben hat. Selbst auf Phuket hat es weder Warnungen noch Evakuierungen gegeben.
Die Tsunami-Boje, der vor einigen Tagen leere Batterien nachgesagt wurden und die lt. NDWC (National Disaster Warning Center, Thailand) und DDPM Phuket seit dem 16. Juni nicht mehr sendet [wir berichteten - s. hier], hat überraschenderweise kurz vor dem Seebeben einige Daten übermittelt. Der Berater der NDWC Dr. Seree Supratit bestätigte dies heute morgen, kann sich aber auch nicht erklären, warum bzw. wie die Boje das geschafft hat.
Die Phuket Gazette vermutet nun, dass sich die Boje vielleicht bei geringer Akkukapazität selbst abschaltet und nur sporadisch anschalten könnte, um Strom zu sparen. Leider ist es nicht gelungen Kontakt zu einem Techniker der NDWC herzustellen, der zu dieser Vermutung sagen könnte.
Auch ist nicht bekannt, ob das Pacific Tsunami Warning Center die Warnungen aufgrund der von der Boje übermittelten Daten ausgerufen haben.
Erstaunlich ist auch, dass es bis gestern Nachmittag angeblich keine funktionierende Boje im Indischen Ozean gegeben hat. Heute morgen gibt es auf der Website des National Data Buoy Center (NDBC) vom US National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA
) gleich fünf Bojen, wovon vier – scheinbar funktionierende – vor der Küste Indiens liegen.
Der NDWC Ausschussvorsitzenden Dr. Smith Dharmasaroja sagte letzte Woche, dass die indischen Bojen aufgrund ihrer Lage im Falle eines Tsunamis für Thailand nur wenig von Nutzen sein würden. Er sei frustriert, weil durch die andauernden politischen Querelen die Finanzierung für zwei weiteren Bojen vor der thailändischen Küste seit letztem Jahr verhindert werden. Man streite sich darüber, ob die Bojen von dem Unternehmen, von dem Indien die Bojen gekauft hätte, oder von den USA gekauft werden sollte. Auch sagt er, dass er bereits mehrfach die Kosten für den Batteriewechsel der Boje beantragt hätte, bisher jedoch ohne Erfolg geblieben sei.
Quellen:
- Phuketwan.com
(engl.) vom 12. August 2009
by Alan Morison & Chutima Sidasathian
- Phuket Gazette
(engl.) vom 11. August 2009
by Khunakorn Terdkiatkhachorn & Nation
- Tip Thailand Forum
(dt.) vom 10. August 2009
Diesen Beitrag drucken
Tags: Frühwarnsystem, Khao Lak, Nam Khem, phang nga, Thailand, Tsunami, Warnung
