Bangkoks Vorzeige-Airport fällt schon wieder negativ auf
Dienstag, 21. Juli 2009 - 00:46 UhrBangkoks Vorzeige-Airport fällt schon wieder negativ auf
Der zwischen 2002 und 2006 unter der Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra erbaute und schon oft ins Kreuzfeuer geratene Bangkok International Airport wirft wieder Kontroversen auf.
Schon beim Bau gab es verbissene Vorwürfe wegen Korruptionsvorwürfen, laute Kritik an der Gestaltung und an der Qualität der Konstruktion. Dann Ende 2008 die Besetzung des Airports durch Regierungsgegner, mit der daraus resultierenden einwöchigen Schließung.
Nun werden immer mehr Anschuldigungen laut, dass in den letzten Monaten eine Reihe von Touristen vom Sicherheitspersonal des Airports des Ladendiebstahls in einem King Power Duty Free Shop beschuldigt, der Polizei übergeben und erst nach Zahlung einer großen Summe wieder freigelassen werden.
Der Fall von Stephen Ingram und Xi Lin, einem britischen Pärchen, das am 25. April 2009 in die Fänge der Airport-Bande geriet, macht nun Schlagzeilen. Die beiden wurden nach einem kurzen Abstecher im Duty Freebereich vom Sicherheitspersonal aufgehalten und anschließend durchsucht. Man warf ihnen vor, dass im Duty Free Shop eine Brieftasche fehlt und dass man auf der Security Kamera beobachtet hätte, wie Frau Lin diese Brieftasche gestohlen hätte. Allerdings fanden die Männer bei der Taschendurchsuchung nichts (siehe Bande am Airport Bangkok erpresst Touristen)
Mittlerweile hat die Firma King Power das Überwachungsvideo ins Internet gestellt, auf dem der Anschein erweckt wird, Frau Lin hätte die Brieftasche in ihre eigene Tasche gesteckt. Auch eine Schriftliche Stellungnahme
zu dem Vorfall wurde von King Power veröffentlicht.
Obwohl die beiden bereits kurz vor ihrem Abflug-Gate hinter dem Immigration Office waren – also bereits offiziell ausgereist waren – wurden sie wieder zurückgebracht und der Flughafenpolizei übergeben. Zu diesem Zeitpunkt bekamen die beiden ein ungutes Gefühl.
Im Interview mit BBC sagte Mr. Ingram, dass sie dann in einem separaten Raum befragt wurden, wobei sie sich sehr eingeschüchtert fühlten. Man durchwühlte ihre Taschen und forderte sie immer wie auf, zu sagen, wo die Brieftasche sei.
Dann brachte man die beiden in eine kleine feuchte Zelle, in der unangenehm gerochen hat, sehr heiß war und die Wände mit Graffiti und Blut beschmiert waren.
Mr. Ingram schaffte es den Notruf des auswärtigen Amtes anzurufen, dessen Notfallnummer er in einem Reiseführer gefunden hatte. Er bat die Botschaft zu verständigen und Hilfe zu schicken.
Am nächsten Morgen kam ein aus Sri Lanka stammender Dolmetscher mit Namen Tony, der halbtags für die Polizei tätig ist. Dieser brachte die beiden Briten zum lokalen Kommandanten der Polizei. Das Gespräch dauerte drei Stunden und drehte sich ausschließlich darum, wie viel Geld die beiden zu zahlen hätten, damit sie freigelassen werden können.
Man sagte ihnen, dass die Anklage sehr ernst sei und dass, wenn sie nicht bezahlen würden, auf einen bis zu zwei Monate langen Besuch im berüchtigten Gefängnis “Bangkok Hilton” einstellen könnten, denn solange würde es ungefähr dauern, bis der Fall bearbeitet werden würde.
Mr. Ingram sagte, dass seine Mutter am 28. April beerdigt werden würde und sie bis dahin zurück in Großbritannien sein müssten. Die Polizei wollte daraufhin versuchen diesen Termin einzuhalten, wenn bis dahin die Summe von £ 7.500,- ($12.250,-) gezahlt werden würde. Später sollte sich dann herausstellen, dass der Termin nicht eingehalten werden konnte und die beiden die Beerdigung verpassten.
Der Dolmetscher brachte die beiden nach dem Gespräch zu einem Geldautomaten an der Polizeistation und sagte Mrs. Lin, sie solle so viel Geld abheben, wie ihr Bankkonto hergäbe – £ 600,- Auch Mr. Ingram wurde dazu aufgefordert und hob £ 3.400,- von seinem Konto ab.
Das Geld wurde der Polizei als Kaution übergeben und die beiden mussten jede Menge Papiere unterschreiben.
Später wurden den beiden Briten erlaubt, in einem heruntergekommenes Hotel nahe des Flughafens zu bleiben. Ihre Reisepässe wurden aber einbehalten und man warnte sie das Hotel nicht zu verlassen oder zu versuchen Kontakt zu einem Anwalt oder gar der Botschaft aufzunehmen.
“Ich werde Euch beobachten”, sagte Tony und fügte hinzu, dass dort so bleiben müssten, bis die zuvor ausgehandelten £ 7.500,- auf seinem Konto eingegangen seien.
Am Montag schlichen sich die beiden aus dem Hotel und fuhren mit einem Taxi nach Bangkok in die Britische Botschaft.
In der Botschaft stellte man den Kontakt mit einem thailändischen Anwalt her und teilte den beiden mit, dass sie Opfer des s.g. “Zig-Zag Scam”, also des “Zick-Zack” Betrugs geworden sind.
Der Anwalt sagte, dass sie auch Tony belasten müssten. Er warnte auch, dass ein diesbezügliches Gerichtsverfahren einige Monate dauern würde und sie dabei lange Haftstrafen riskieren würden.
Nach fünf Tagen wurde das Geld dann endlich auf Tonys Konto gutgeschrieben und die beiden Briten durften gehen.
Zwar haben die beiden die Beisetzung von Mr. Ingrams Mutter verpasst, aber haben sie aber am Ende ein offizielles Schreiben vom Gericht bekommen, in dem zu lesen ist, dass die Anklage wegen Mangel an Beweisen fallen gelassen wurde – und das auch noch kostenlos.
Mr. Ingram sagte am Ende es Interviews, dass dies eine erschütternde und stressige Erfahrung gewesen sei. Nun hat das Paar rechtliche Schritte eingeleitet, um ihr Geld zurückzubekommen
BBC hat mit Tony und Oberst Teeradej Phanuphan, dem regionalen Kommandanten der Polizei, gesprochen. Beide sagen, dass Tony dem Paar lediglich bei den Übersetzungen und Kautionsstellung geholfen habe, damit die beiden aus dem Gefängnis raus konnten.
Tony sagt, dass er die Hälfte der £ 7.500,- für die Kaution benötigt hätte und die andere Hälfte für Gebühren für die Kaution, seinen Arbeitslohn und die Kosten eines Anwalts, den er angeblich im Namen der beiden Briten konsultiert hatte. Er meinte, dass die beiden theoretischen versuchen könnten, einen Teil der Kaution erstattet zu bekommen.
Oberst Teeradej sagte, dass er den Ablauf auf Unregelmäßigkeiten untersuchen lassen will. Hinsichtlich der finanziellen Vereinbarung meinte er aber, dass dies eine private Absprache zwischen Tony und dem Ehepaar war und somit nicht Angelegenheit der Polizei sei.
Beschwerdebriefe machen allerdings deutlich, dass viele Fluggäste regelmäßig am Flughafen wegen angeblichem Ladendiebstahl festgenommen werden und erst nach Zahlung einer bestimmten Summe an einen Mittelsmann freigelassen werden.
Auch die dänische Botschaft bestätigt, dass jüngst eine dänische Staatsbürgerin am Flughafen festgenommen wurde und am Anfang des Monats gelang einer ebenfalls des Diebstahls beschuldigten irischen Wissenschaftlerin mit Hilfe ihres Mannes die Flucht.
Tony sagte der BBC, dass in diesem Jahr schon etwa 150 Ausländern “geholfen” hätte, die Schwierigkeiten mit der Polizei hatten. Er betont, dass er dies manchmal sogar kostenlos machen würde.
Die britische Botschaft warnt jetzt die Passagiere davor, nicht die Markierungen der Duty Free Bereiche im Suvarnabhumi Airport vor dem Bezahlen zu verlassen, da sie sonst festgenommen und inhaftiert werden könnten.
Quelle: BBC News, Bangkok
von Jonathan Head
20. Juli 2009
Der Fall der Irin gestaltet sich sehr ähnlich. Die irische Wissenschaftlerin Dr. Angela Norris (41), die in Thailand eine Konferenz besucht hatte, berichtet der Tageszeitung Kilkenny People, dass sie von Sicherheitskräften umringt war, als sie den Duty Free Bereich im Suvarnabhumi Airport verlassen wollte. Der Irish Mail on Sunday sagte: “Sie schrien mich an: You! You! You go jail six month” (Du gehst sechs Monate ins Gefängnis).
Sie wurde des Diebstahls eines Eyeliner beschuldigt und der Flughafenpolizei übergeben, die sie dann zur Rajatewa Polizeistation in der Nähe des Flughafens brachten, wo sie die Nacht unter unwürdigen Bedingungen verbringen musste.
Laut dem Zeitungsbericht wurde sie auf Kaution freigelassen, jedoch behielten die thailändischen Behörden ihren Reisepass. Als sie sich an die Einwanderungsbehörde wandte, wurde sie erneut festgenommen.
“Was hier passiert ist, ist empörend und sollte öffentlich gemacht werden. Es ist ein nationaler Skandal.” sagte Dr. Norris Ehemann Ronan Loftus, der gezwungen war nach Thailand zu fliegen, um seiner Frau bei der Flucht aus diesem Maryrium zu helfen.
Quelle: Phuketwan
von Alan Morison
09. Juli 2009
Und hier die Stellungnahme und ein Mitschnitt des Überwachungsvideo zum obigen Fall von King Power, die aufgrund dieses Artikels ins Internet gestellt wurde. Am Ende des Videos sieht man bei genauer Betrachtung, dass die Frau die Geldbörse in das schmale Kopfende des Regals zurück gelegt hat.
- Überwachungsvideo von King Power Duty Free
- Schriftliche Stellungnahme von King Power ![]()
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Tags: Bangkok, Erpressung, Korruption, Suvarnabhumi Airport, Thailand, Zic Zac Scam
