Bande am Airport Bangkok erpresst Touristen

Montag, 20. Juli 2009 - 21:20 Uhr

In der britischen Sunday Times wurde Ende Juni der Fall eines britisches Pärchens bekannt, das am Flughafen Bangkok von einer bekannt berüchtigten Flughafen Gang wegen angeblichem Diebstahl in einem King Power Duty Free Shop solange festgehalten wurde, bis sie £ 8,000 für ihre Freilassung zahlten. Sie wurden Opfer von Erpressung, Bedrohung und Einschüchterung.
 
 
 Die Story liest sich fast wie die Vorlage eines Krimis – hier die deutsche Übersetzung:
 
Stephen Ingram (49) und Xi Lin (45), beide Technologie-Experten aus Cambridge, wurden in der Samstagnacht des 25. Aprils von Sicherheitskräften des Suvarnabhumi Airports festgehalten, als sie an Bord des Qantas Fluges QS1 nach London gehen wollten.
 
 Unter dem Vorwurf, eine Givenchy Geldbörse im Wert von £ 121 aus einem King Power Duty-Free Shop gestohlen zu haben, wurden sie der Polizei übergeben.
 
 Laut der offiziellen Version der Staatsanwaltschaft in Bangkok musste später allerdings eingeräumt werden, dass keine Beweise für einen Diebstahl vorlagen.
 
 Die beiden Festgenommenen wurden erst fünf Tage nach ihrer Verhaftung wieder freigelassen. Sie berichteten, dass sie in dieser Zeit mehrmals bedroht wurden und gegen ihren Willen in einer billigen Pension in Flughafennähe festgehalten bis das geforderte Geld für ihre Freilassung gezahlt wurde.
 
 Das geforderte Schmiergeld wurde an den aus Sri Lanka stammenden Vermittler Sunil “Tony” Rathnayaka gezahlt, der als s.g. Volunteer, also als Vermittler für die thailändische Tourist Police unter dem Motto “To serve and to protect” (”Zu dienen und zu schützen”) tätig ist.
 
 Stephen Ingram sagte, dass sich die beiden nun das Ziel gesetzt hätten, andere unschuldige Touristen vor einem solchen Alptraum zu bewahren. Sie werden alle erforderlichen rechtlichen Schritte einleiten, um Gerechtigkeit zu erfahren und auch ihr Geld zurückzubekommen.
 
In einem Telefoninterview letzte Woche bestätigte der Vermittler Rathnayaka, dass er von den £ 7.000 aus dem Geld-Transfer £ 4.000 an die Polizei als Kaution und £ 3.000 an einen Mann mit Namen “Little Big Man” übergeben habe, was dieser aber im Fall der Fälle sofort widerrufen würde. Er meinte, dass in Thailand jeder wisse, wie so was abliefe. Man könne ins Gefängnis gehen oder aber auch eine gewisse Geldstrafe bezahlen und nach Hause gehen. “It is corruption, you know?” – “Das ist Korruption, weißt Du?”, sagte er. Weiterhin ließ er verlauten, dass die beiden Briten die gezahlte Kaution nie wieder sehen werden, obwohl das Gesetz eine Rückerstattung vorsieht.
 
 In einer detaillierten Erklärung sagten Stephen Ingram und Xi Lin, dass sie anfänglich ins Flughafenbüro der Tourist Police und später in die Zellen einer Polizeistation in einem isolierten Gebäude am Rande des Flughafens gebracht wurden.
 
 Rathnayaka bestätigt, dass er die beiden am Sonntag, den 26. April in ihren Zellen besucht hätte, um die “Kautionabwicklung” zu arrangieren. Die Polizei zog die Reisepässe der beiden ein und brachte sie danach in das ein paar hundert Meter neben den Start- und Landebahnen gelegene Valentine Resort. Dort wurden die Briten vier Tage lang festgehalten. Rathnayaka warnte die beiden davor, Kontakt zu Freunden, Familie, Botschaft, Anwälten oder Presse aufzunehmen, und diese über ihre derzeitige Lage zu informieren.
 
 Trotz dieser Warnung schlichen sich die beiden am 27. April aus dem Hotel und gingen in die Britische Botschaft, wo sie der Pro-Konsulin Kate Dufall ihren Fall schilderten und um Hilfe baten.
 
 Diese informierte umgehend den Rechtsanwalt Prachaya Vijitpokin der Lawyers Association of Thailand. Der Anwalt riet den beiden Briten im Beisein seines Kollege Kittamert Engchountada, das Land nicht zu verlassen und ein Dossier für eine mögliche Strafverfolgung zu erstellen.
 
 Jedoch schloss das britische Paar diese Möglichkeit von vornherein aus und entschied sich dafür, das geforderte Geld von einem deutschen Konto auf das Konto des Vermittlers Rathnayaka zu überweisen. Der Zeitung “Sunday Times” liegen Kopie dieser Transaktionen vor.
 
 Nachdem das Geld eingegangen war, wurden Stephen Ingram und Xi Lin am frühen Freitagmorgen des 01. Mai 2009 in ein Flugzeug der British Airways nach London gesetzt. Sie erhielten ihre Reisepässe und ein offizielles Schreiben der Staatsanwaltschaft mit dem sie ohne weitere Gebühren zu zahlen Thailand verlassen durften.
 
 Die beiden sagen, dass sie nun bereit wären nach Thailand zurückzukehren, um die Erpressung zu bezeugen, sofern die thailändisch Regierung für ihre Sicherheit garantieren würde.
 
 Dieser Vorfall könnte für Thailand eine besondere Priorität bekommen, da das Land ohnehin aufgrund der aktuellen politischen Stimmung und der weltweiten Wirtschaftslage erhebliche Tiefschläge im Tourismusbereich einstecken musste.
 
 Recherchen in der vergangenen Woche haben ergeben, dass Rathnayaka der Vermittler und seine Komplizen weiterhin ungehindert auf dem Airport Beute machen und unschuldige Touristen in Polizeigewahrsam landen, nachdem sie des Diebstahls in einem der King Power Duty-Free Shops beschuldigt wurden.
 
 Rathnayaka erklärte: “Ich helfe doch nur den Menschen. Ich werde dafür nicht bezahlt. Alle Botschaften kennen mich.”
 
 Beamte der dänischen Botschaft bestätigten, dass vor zwei Wochen auch eine dänische Frau der Bande in die Hände fiel und erst nach Zahlung von £ 4500 Thailand verlassen durfte.
 
 Erst letzte Woche rief ein Journalist der Sunday Times bei Rathnayaka in Bangkok an. Er gab sich am Telefon als ein in Not geratener Geschäftsmann aus. Der Vermittler sagte als erstes: “Wenn Sie beispielsweise einen Ladendiebstahl auf dem Flughafen in einem Duty Free Shop begangen haben, dann kann ich helfen. Die Kaution beträgt THB 100.000 (£1,800).” Später sagte er dann aber ein Interview ab, weil ihm die Botschaft von Sri Lanka, wo er als Dolmetscher beschäftigt ist, ein Redeverbot erteilt hätte.
 
 Das Auswärtige Amt Großbritanniens bestätigte den Fall, sagte jedoch auch, dass die beiden Briten das Interventionsangebot der Botschaft in Bangkok abgelehnt hätte.
 
 Ein Sprecher von King Power Duty Free sagte zu den Vorfällen, dass das Unternehmen strenge Richtlinien für die Vorgehensweise bei Ladendiebstählen hätte, man jedoch nicht kontrollieren könne, was danach passieren würde.
 
 
 Quelle: The Sunday Times (UK)
 von Andrew Chant
 28. Juni 2009

Und hier die Stellungnahme und ein Mitschnitt des Überwachungsvideo zum obigen Fall von King Power, die aufgrund dieses Artikels ins Internet gestellt wurde. Am Ende des Videos sieht man bei genauer Betrachtung, dass die Frau die Geldbörse in das schmale Kopfende des Regals zurück gelegt hat.
- Überwachungsvideo von King Power Duty Free
 - Schriftliche Stellungnahme von King Power
 

Auch BBC hat das Thema aufgeschnappt und berichtet über den Fall und warnt gleichzeitig über die Überwachungsmethoden des Airports:
- Tourists warned of Thailand airport scam (engl.)

 
 

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